Das Arbeitsgericht entscheidet nur selten über die für eine Abfindung. In den meisten Fällen werden nach Erhebung einer Kündigungsschutzklage Abfindungen vor dem Arbeitsgericht ausgehandelt und zwar meistens im sogenannten Gütetermin.

Auflösungsantrag beim Arbeitsgericht

nach Erhebung der Kündigungsschutzklage

Höhe einer Abfindung nach Kündigung und Auflösungsantrag

Bei den wenigen Fällen, bei dem das Gericht über die Höhe der Abfindung entscheidet, ist der in der Praxis am häufigsten anhängig gemachte Fall der, dass der Arbeitnehmer einen sogenannten Auflösungsantrag nach § 9 des Kündigungsschutzgesetzes stellt.

Die Vorschrift lautet wie folgt:

§ 9 Auflösung des Arbeitsverhältnisses durch Urteil des Gerichts, Abfindung des Arbeitnehmers

(1) Stellt das Gericht fest, daß das Arbeitsverhältnis durch die Kündigung nicht aufgelöst ist, ist jedoch dem Arbeitnehmer die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses nicht zuzumuten, so hat das Gericht auf Antrag des Arbeitnehmers das Arbeitsverhältnis aufzulösen und den Arbeitgeber zur Zahlung einer angemessenen Abfindung zu verurteilen. Die gleiche Entscheidung hat das Gericht auf Antrag des Arbeitgebers zu treffen, wenn Gründe vorliegen, die eine den Betriebszwecken dienliche weitere Zusammenarbeit zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer nicht erwarten lassen. Arbeitnehmer und Arbeitgeber können den Antrag auf Auflösung des Arbeitsverhältnisses bis zum Schluß der letzten mündlichen Verhandlung in der Berufungsinstanz stellen.
(2) Das Gericht hat für die Auflösung des Arbeitsverhältnisses den Zeitpunkt festzusetzen, an dem es bei sozial gerechtfertigter Kündigung geendet hätte.

Die Anforderungen an einen solchen Auflösungsantrag, wenn diese erfolgreich vor dem Arbeitsgericht durchgesetzt werden soll, sind recht hoch. Es kommt nur selten dazu, dass der Arbeitnehmer erfolgreich einen Auflösungsantrag stellen kann.

Berücksichtigt werden nur Gründe, die es dem Arbeitnehmer unzumutbar machen beim Arbeitgeber weiterzuarbeiten.

Auflösungsgrund

schwierig nachzuweisen

An den Auflösungsgrund sind hohe Anforderungen zu stellen.

Wenn aber ein Auflösungsgrund vorliegt und der Arbeitnehmer nach Erhebung der Kündigungschutzklage einen sogenannten Auflösungsantrag stellt, dann entscheidet das Gericht über die Höhe der Abfindung.

Die entsprechende Norm ist § 10 des Kündigungsschutzgesetzes, die wie folgt lautet:

§ 10 Höhe der Abfindung

(1) Als Abfindung ist ein Betrag bis zu zwölf Monatsverdiensten festzusetzen.
(2) Hat der Arbeitnehmer das fünfzigste Lebensjahr vollendet und hat das Arbeitsverhältnis mindestens fünfzehn Jahre bestanden, so ist ein Betrag bis zu fünfzehn Monatsverdiensten, hat der Arbeitnehmer das fünfundfünfzigste Lebensjahr vollendet und hat das Arbeitsverhältnis mindestens zwanzig Jahre bestanden, so ist ein Betrag bis zu achtzehn Monatsverdiensten festzusetzen. Dies gilt nicht, wenn der Arbeitnehmer in dem Zeitpunkt, den das Gericht nach § 9 Abs. 2 für die Auflösung des Arbeitsverhältnisses festsetzt, das in der Vorschrift des Sechsten Buches Sozialgesetzbuch über die Regelaltersrente bezeichnete Lebensalter erreicht hat.
(3) Als Monatsverdienst gilt, was dem Arbeitnehmer bei der für ihn maßgebenden regelmäßigen Arbeitszeit in dem Monat, in dem das Arbeitsverhältnis endet (§ 9 Abs. 2), an Geld und Sachbezügen zusteht.

Abfindungsformel beim Arbeitsgericht

die Abfindungsformel spielt oft im Gütetermin eine Rolle

Aus dieser Norm leiten die Arbeitsgerichte ihre sogenannte Abfindungsformel ab. Diese Formel spielt grob bei den Verhandlungen über die Höhe der Abfindung im Rahmen der Hebung einer Kündigungschutzklage im Gütetermin eine Rolle. Entscheidender ist jedoch das Prozessrisiko des Arbeitgebers.

Arbeitsgericht Berlin

Höhe der Abfindungsformel

Beim Arbeitsgericht Berlin beträgt die Abfindungsformel in der Regel ein halbes Bruttomonatsgehalt pro Arbeitsjahr. Diese Formel spielt formal nur eine Rolle beim Auflösungsantrag, nicht aber bei einer Kündigungsschutzklage ohne Auflösungsantrag. Trotzdem ist die Formel oft die Grundlage für den Einstieg von Verhandlungen über die Höhe der Abfindung im Gütetermin bei einer Kündigungsschutzklage.

Wie gesagt, entscheidet das Gericht beim Vergleich nicht über die Höhe der Abfindung, sondern nur beim erfolgreich gestellten Auflösungsantrag, dem in Übrigen auch ein Arbeitgeber stellen kann.

Höhe der Abfindung

Höhe der Abfindung beim Auflösungsantrag

Bei der Bemessung der Höhe der Abfindung ist das Arbeitsgericht nicht an die im Gesetz aufgeführten Kriterien für die Höhe der Abfindung gebunden, sondern kann vielmehr alle Umstände des Einzelfalles berücksichtigen. Dazu gehört zum Beispiel auch das Maß der Sozialwidrigkeit der Kündigung.

Kriterien

Kriterien für die Höhe der Abfindung

Wesentliche Faktoren bei der Bemessung der Höhe der Abfindung sind:

– Lebensalter

– Betriebshörigkeit

– Familienstand

– Unterhaltspflichten.

Kurz zusammengefasst spielen folgende Kriterien auch für die Höhe der Abfindung eine Rolle:

– verhaltensbedingter Kündigungsgrund ist schon objektiv nicht gegeben
– Arbeitgeber hat die Kündigung selbst herbeigeführt
– die Kündigung verstößt gegen das Maßregelungsverbot
– durch die unwirksame Kündigung entstehen dem Arbeitnehmer erhebliche wirtschaftliche Schwierigkeiten

Einkommen

Gehalt als Maßstab und Berechnungsgrundlage

Abzustellen ist dabei auf dem Monatsverdienst des letzten Monats des Arbeitsverhältnisses.

Dabei ist unter anderem darauf zu achten, dass sämtliche Vergütungsbestandteile hier in die Höhe des Entgelts einfließen.

Dies sind zum Beispiel:

Abzustellen ist dabei auf dem Monatsverdienst des letzten Monats des Arbeitsverhältnisses.

Dabei ist unter anderem darauf zu achten, dass sämtliche Vergütungsbestandteile hier in die Höhe des Entgelts einfließen.

Dies sind zum Beispiel:

– Lohn/Gehalt
– alle Zulagen
– Tantiemen
– Gratifikationen
– Sonderzahlungen
– Urlaubsgelder
– Naturalvergütungen

Nicht aber Aufwandsentschädigungen.